Chronik DLRG Bezirk Rhein-Erft-Kreis e.V.
Der heutige Bezirk Rhein-Erft-Kreis ist zum 1. Januar 1975 im Zuge der kommunalen Neugliederung aus den früheren DLRG Bezirken Bergheim, Köln-Land sowie Teilen des Bezirkes Euskirchen-Schleiden entstanden und trug zunächst dem neu entstandenen Landkreis entsprechend den Namen „DLRG Bezirk Erftkreis“. Die Wurzeln der DLRG-Arbeit reichen aber deutlich weiter zurück; die älteste Ortsgruppe in Hürth wurde bereits am 1. Mai 1930 gegründet. Nach Zusammenlegung einiger Ortsgruppen zur Anpassung der DLRG-Strukturen an die kommunalen Grenzen besteht der Bezirk heute aus den zehn Ortsgruppen Bedburg, Bergheim, Brühl, Elsdorf, Erftstadt, Frechen, Hürth, Kerpen, Pulheim und Wesseling.
Die Zusammenfassung der überwiegend industriell geprägten zehn Kommunen gab den DLRG-Gliederungen in den 1970-er Jahren dank neu gebauter Schwimmbäder ein reichliches Betätigungsfeld. Dies führte unter der Leitung des ersten Bezirksleiters des neuen Bezirkes Helmut Jungbluth zu einem Ansteigen der Mitgliederzahl auf insgesamt fast 7.000 Mitglieder. Damit wurde der DLRG Bezirk Erftkreis zum zweitgrößten Bezirk des Landesverbandes.
Aber nicht nur das gute Angebot an Schwimmbädern, sondern auch die vielen Einsatzanforderungen in den Wachgebieten boten eine solide Grundlage, um Interessenten auch nach der Schwimm- und Rettungsschwimmausbildung durch aktive Mitarbeit in die Aufgaben der DLRG einzubinden. Insbesondere durch den Braunkohletagebau sind in den letzten Jahrzehnten viele neue Wasserflächen entstanden, die von der Bevölkerung zur Erholung besucht werden und deshalb gesichert werden müssen. Auch am Rhein hat im letzten Jahrzehnt der Badebetrieb, trotz aller mit einer Europäischen Schifffahrtsstraße verbundenen Gefahren, wieder deutlich zugenommen.
Bezirksleiter Helmut Jungbluth und auch sein Nachfolger im Amt Jakob Sölla erkannten diese Zusammenhänge früh und förderten diese Interessen. Zusätzlich wurde eine aktive Jugendarbeit in den Ortsgruppen aber auch im Bezirk zu einem wichtigen Standbein.
Die Ausbildungsarbeit der Ortsgruppen wird durch übergreifende Lehrgänge sinnvoll ergänzt. Entsprechend den örtlichen Erfordernissen bietet der Bezirk mit jährlich neuer Schwerpunktsetzung ein vielfältiges Seminar- und Tagungsangebot, das alle Bereiche der DLRG-Arbeit von den Tagungen der Gremien bis zur Aus- und Weiterbildung der Aktiven in der Schwimm- und Rettungsschwimmausbildung, den Sanitätsbereich, den Wasserrettungsdienst und den Katastrophenschutz einschließlich der Nachwuchsgewinnung umfasst.
Im Jahr 1990 wurden der Bezirk Erftkreis und alle seine Ortsgruppen als eingetragene Vereine rechtlich selbständig. Dies hat zu einer weiteren selbstbewussten Entwicklung der Vereinsarbeit geführt. Die zehn Ortsgruppen sind so vielfältig strukturiert wie die Kommunen im Kreis. Neben relativ kleinen Gliederungen mit nur rund hundert Mitgliedern sind auch große Ortsgruppen mit über 1.000 Mitgliedern zu finden. Regional werden unterschiedliche Schwerpunkte in der Arbeit gesetzt. Der Ausbildungsbetrieb im Schwimmbad und die Jugendarbeit gehören dabei zum Kernbereich aller Ortsgruppen. Wasserrettungsstationen werden am Heider Bergsee, am Otto-Maigler-See, am Pulheimer See, am Zieselsmaar und am Rheinabschnitt Wesseling zwischen Bonn und Köln unterhalten. Darüber hinaus sind in vielen Schwimmbädern DLRG-Rettungsschwimmer im Einsatz.
Die Kommunen folgen im Zuge der immer knapper werdenden Mittel der öffentlichen Haushalte inzwischen leider immer mehr dem Trend der Freizeitorientierung und bieten den Bürgern in den auf Spaßbäder getrimmten Schwimmbädern Gelegenheit für kurzweiliges Vergnügen. Auch die DLRG im Rhein-Erft-Kreis verlor dadurch einen Teil der für die Aus- und Weiterbildung so wichtigen Wasserflächen. Die Gegendarstellung bei den Kommunen, dass nur gut ausgebildete Schwimmer die Spaßbäder sicher nutzen können, findet angesichts der Gewinnerwartungen nicht immer ausreichend Gehör oder führt zu kaum zu leistenden Geldforderungen für die vereinsmäßige Nutzung der Wasserflächen. Die Übernahme der Schlüsselgewalt oder auch Reinigungsverpflichtungen sind dabei in den letzten Jahren ohnehin zur Selbstverständlichkeit geworden.
So hat die einst dichte Landkarte der Schwimmbadversorgung des Rhein-Erft-Kreises Löcher bekommen, die zu stopfen von den betroffenen DLRG-Gliederungen viel Findigkeit abverlangt. Die Bäderlandschaft hat sich auf vielfältige Weise gewandelt. Neben der Schließung von Schwimmbädern konnte durch erfolgreiche Lobbyarbeit auch der Neubau oder die Modernisierung von für den Sportbetrieb geeigneten Bädern erreicht werden. Diese Entwicklung ist auch darauf zurückzuführen, dass glücklicherweise viele Eltern die Notwendigkeit erkennen, ihren Kindern zunächst eine fundierte Schwimmausbildung zukommen zu lassen und dabei in großer Zahl auf die DLRG-Gliederungen zugehen. Die dort geleistete qualifizierte Arbeit ist nach wie vor das beste Argument für die Werbung neuer Mitglieder und den Erhalt geeigneter Bäder.
Im Jahr 2000 gab es mit der Neuwahl des Bezirksvorstandes einen Generationenwechsel. Seitdem leitet Heide Gehring (Kerpen) die Geschicke des Bezirkes. Ihr stehen dabei neben einigen altbewährten Vorstandsmitgliedern auch viele junge Kameradinnen und Kameraden zur Seite. Durch die Einführung moderner Strukturen und Managementprinzipien versucht der Vorstand seitdem, sich den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zu stellen.
Im Herbst 2001 konnte Landrat Werner Stump für eine Dauer-Schirmherrschaft gewonnen werden. Er unterstützt seitdem die Belange der Wasserrettung im Rhein-Erft-Kreis. Sichtbarstes Zeichen hierfür ist die Anerkennung des Bezirkes nach § 18 des Feuerschutz- und Hilfeleistungsgesetzes (FSHG) im August 2002. Der Bezirk stellt seitdem für Katastrophenfälle dem Kreis einen Bootstrupp zur Verfügung und ist auch in die Strukturen der vom Landesverband Nordrhein geführten Wasserrettungszüge eingebunden. Erste Einsatzerfahrungen in diesem Bereich konnten schnell gewonnen werden. Dieses Betätigungsfeld hat sich zunehmend zu einem wichtigen Standbein der Bezirksarbeit entwickelt. Hier gilt es, mit den bereits langjährig tätigen Rettungsdiensten reibungslos zusammen zu arbeiten. Dies stellt für die ausschließlich ehrenamtlich tätigen Einsatzkräfte der DLRG eine besondere Herausforderung dar. Letztlich kam es auch auf offizieller Ebene durch die Initiative des Bezirks zu intensiveren Kontakten zwischen allen im Kreis tätigen Hilfsorganisationen.
Durch die Anerkennung als „andere Stelle“ für die Erste-Hilfe-Ausbildung durch die Bezirksregierung Köln im November 2003 können die qualifizierten Ausbilder der DLRG öffentlich Lehrgänge u.a. für Führerscheinbewerber anbieten. Auch dieser Umstand hat dazu geführt, dass die DLRG im Rhein-Erft-Kreis von der Bevölkerung zunehmend als Hilfsorganisation wahrgenommen wird.
Seit dem 1. November 2003 trägt der Landkreis einen neuen Namen. Nach Abschluss des bundesweiten Strukturprozesses hat sich der Bezirk eine moderne Satzung gegeben und heißt seit dem 7. März 2008 „DLRG Bezirk Rhein-Erft-Kreis e.V.“. Im Jahr 2009 steht mit der Neuwahl des Vorstandes der nächste Schritt der Erneuerung an, da die neuen Satzungsstrukturen dann im Vorstand sichtbar werden.
Stefan Albrecht